
1806
Gründung der Gesellschaft, in einer Zeit, in der sich das zu mehr Einfluss gelangende gehobene Bürgertum vom 1. Oktober bis Ende April zur „friedlichen und anständigen Unterhaltung“ traf. Hazardspiele (Glücksspiele) waren verboten, Kegeln wurde nur geübt. Laut Protokoll vom 1. Oktober 1824 ist das Gesellschaftslokal an der Mülhauser Straße im Haus des Herrn Krahé beheimatet und für sieben Monate im Jahr gemietet.
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1831
Die Statuten erhalten zusätzliche Bestimmungen und eine eigene Gastronomie wird eingeführt. Das Nebenhaus des Herrn Theodor Franken auf der Mülhauser Straße wird zusätzlich angemietet. Abwechselnd tagte die Gesellschaft auch im Gasthof Keuter am Buttermarkt (heute Heiliggeist-Kapelle).
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1841
Die Gesellschaft nimmt den Namen „Casino“ an.
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1842
Der Wunsch nach einer eigenen Heimat wächst. Am 24. September erwirbt die Gesellschaft für 1550 Taler ein Wohnhaus auf der Engelstraße (Engerstraße). Da das Haus in einem schlechten Zustand ist, müssen noch einmal 1269 Taler und 28 Silbergroschen investiert werden. Nach der Fertigstellung verfügt die neue Heimat über einen großen Keller, ein Gesellschaftszimmer, ein Billardzimmer und in der 1. Etage über einen großen Saal. Darüber wohnt der Gastronom.
Die Aktivitäten sind zeitgemäß. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme werden besprochen, Karten und Billard gespielt und Zeitungen gelesen. Welche Zeitungen gelesen werden, wird jährlich über eine Ballotage, einer geheimen Abstimmung mit schwarzen und weißen Kugeln, entschieden. Bälle zur Kirmes und zu Fastnacht werden ebenfalls veranstaltet.
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1846
Durch Stimmenmehrheit wird beschlossen, an einer Lotterie teilzunehmen. Zu dieser Zeit war es ein von staatlicher Seite beliebtes Mittel zur Staatsfinanzierung, während privates Lottospielen seit 1810 verboten war.
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1861
Das Lotteriespiel trägt erste Früchte nennenswerter Größe. Mit dem Gewinn von 205 Taler werden Schulden getilgt, das Billard repariert und ein Festessen veranstaltet.
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1893
Aus nicht mehr bekannten Gründen stellen einige Mitglieder einen Antrag zur Auflösung der Gesellschaft. Der Antrag scheitert bei 18 Stimmen für eine Auflösung und zehn Gegenstimmen an der erforderlichen ¾-Mehrheit.
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1894
Eine Einigung wird erzielt. Zunächst auf zwei Jahre mit der Maßgabe, keine politischen Zeitungen mehr bereit zu legen und dem Gastronomen zu kündigen. Es ist naheliegend, dass in Letzterem der Grund für den Antrag zu suchen ist.
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1896
Es erfolgt ein Beschluss, die Gesellschaft unter voller Geltung der Statuten weiter zu führen.
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1899
Der Vorstand wird ermächtigt, ein geeignetes Grundstück für einen Neubau zu finden. Der Vorstand reagiert schnell und die Gesellschaft beschließt, Gärten am Hessenring anzukaufen.
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1900
Der notarielle Kaufvertag wird am 13. Oktober abgeschlossen. Der Kaufpreis beträgt 5953 Mark und 50 Pfennig. Zudem kommt es zu einer Vereinigung der Casino-Gesellschaft mit dem „Leseverein“. Beide Gesellschaften beschließen, ihre zusammengeführten Zwecke unter dem Namen Casino weiter zu führen.
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1901
Das neue Gebäude am Hessenring kann bezogen werden.
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1903/04
Geänderte Lebensverhältnisse erfordern, die Angebote der Gesellschaft anzupassen. Eine Bücherei wird eröffnet, eine Billardkommission ernannt und eine Kegelordnung festgelegt.
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1906
Bildung einer Kommission zur Errichtung eines Tennisplatzes.
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1907
Für 4100 Mark wird ein Grundstück zugekauft und der Tennisplatz errichtet. Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung der langen Friedensjahre seit 1870/71 lässt die Gesellschaft aufblühen und es entwickelte sich ein reges, geselliges Leben.
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1918
Beginn des 1. Weltkrieges. Von Dezember 1918 bis November 1919 werden die Räumlichkeiten von belgischen Besatzungstruppen beschlagnahmt.
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1920
Das vereinsleben entwickelte sich wieder, aber die hohe Inflation beeinträchtigt das tägliche Leben. Der Jahresbeitrag beträgt 1923 eine Billionen Mark.
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1933
Die Nationalsozialisten werfen ein Auge auf die Casino Tennisgesellschaft. Der Versuch, die Gesellschaft gleichzuschalten, scheitert. Vor allem das Gebäude gerät ins Visier. Vorsichtshalber belegten die Verantwortlichen Gebäude und Grundstücke mit hohen Belastungen, so dass ein Erwerb uninteressant erscheint.
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1945 bis 1949
Das Gebäude hat den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden, wird aber beschlagnahmt und über vier Jahre mit Militär oder Flüchtlingen belegt. In dieser Zeit treffen sich die Mitglieder regelmäßig in der Gaststätte Pasch am Luisenplatz, heute unter Viehmarkt bekannt. Trotz Hungersnot, Schwarzmarkt, Inflation und Währungsreform gelingt es, den Verein zusammenzuhalten.
1949 wird das in einem desolaten Zustand befindliche Vereinshaus der Gesellschaft zurückgegeben. Die Entschädigung reicht bei Weitem nicht aus, um alle Mängel am Bau und Schäden der Einrichtung zu beheben. Da auch eigene Mittel nicht reichen, dauert es einige Jahre, bis das Nötigste repariert bzw. Ersatz beschafft werden konnte.
Der Tennisplatz wird wieder für den Spielbetrieb hergerichtet, doch die sportlichen Ambitionen halten sich in Grenzen. Mannschaftsspiele sind eher die Ausnahme.
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1951
Mit 18 gegen fünf Stimmen wird der Erwerb der Mitgliedschaft geändert. Im Wesentlichen wird die Ballotage durch eine Aufnahmekommission ersetzt. Die geheime Abstimmung hatte in den vergangenen Jahren durch abgewiesene Bewerber dem Verein den Ruf einer geschlossenen, elitären Gesellschaft eingebracht.
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1954
Es wird beschlossen, ein weiteres Grundstück zu erwerben um den Tennisbetrieb auszudehnen und weitere Mitglieder zu gewinnen. Durch Spenden der Mitglieder in Höhe von 8100 Mark und einen Kredit über 5000 Mark wird der Bau zweier weiterer Tennisplätze möglich. Um auch in den Genuss öffentlicher Mittel zu kommen ist es naheliegend, dass die tennisbegeisterten Mitglieder des Casino e.V. einen eigenen Casino-Tennis-Club (CTC) gründen. Der Eintrag der „Tochter“ des betagten Vereins erfolgt am 5. April unter der Nummer 100 im Vereinsregister der Stadt Kempen. Im gleichen Jahr wird die Mitgliedschaft beim Tennisverband Linker Niederrhein (TVN) beantragt und genehmigt.
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1959
Der CTC hat 91 aktive und 16 passive Mitglieder. Probleme mit der Gastronomie und fehlende Dusch- und Umkleidemöglichkeiten stellen die Mitglieder vor neue Aufgaben.
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1961
Nach ersten Überlegungen im Vorjahr, beide Vereine zusammenzuführen, vielen Debatten und Einzelgesprächen wird der CTC aufgelöst. Die Mitglieder – sofern sie wollen – werden in die umbenannte Casino Tennis-Gesellschaft aufgenommen. Am 22. April wird der erste neue gemeinsame Vorstand gewählt.
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1963
Die wirtschaftliche Lage des Vereins ist schlecht. Darunter leiden auch die weiterhin ohne Dusch- und Umkleidemöglichkeiten dastehenden Tennisspieler. Das Vereinsgelände ist mittlerweile im Bebauungsplan der Stadt Kempen als Bauland ausgewiesen. Es folgen Verhandlungen mit der Stadt, den gesamten Komplex gegen eine im Grüngürtel zu erstellende Tennisanlage mit Clubhaus, Kegelbahn und Wohnung für den Gastronomen zu tauschen. Mit dem Nachteil, dass sie erst zwei oder drei Jahre später hätten verwirklicht werden können.
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1964
Um Mitglieder zu gewinnen wird beschlossen, von allen Aufnahmewilligen unter 18 Jahren keine Aufnahmegebühr mehr zu erheben und diese ein Jahr lang beitragslos zu stellen.
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1965
Der Vorstand realisiert, dass das Tauschgeschäft kurzfristig nicht zustande kommen würde und entscheidet sich für eine „kleine Lösung“. Ende des Jahres löst ein Umkleidepavillion die „alte Bretterbude“ ab.
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1973
Die Verhältnisse sind nach wie vor schwierig. Casinohaus und die Tennisplätze entsprechen nicht mehr den Bedürfnissen. Unter drei Alternativen entscheidet sich der Verein zu einem Verkauf des Gesamtgrundstücks und einen Neubau am Sportzentrum. Mit einer kurzfristigen Umsiedlung ist aber nicht zu rechnen. Durch die Rezession auf dem Baumarkt wird der in Arbeit befindliche Bebauungsplan nur sehr langsam vorangetrieben. Als Übergangslösung vermietet der Verein einen Teil des Clubhauses an die Stadt als Jugendzentrum.
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1975
Es kommt Bewegung in die Umsiedlung, da die Horten AG am Niederrhein auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für ein mittleres Warenhaus ist und ein Auge auf das Casino-Grundstück wirft. Im Oktober wird am Hessenring 15 unter dem Vorsitz von Jan te Neues, der großen Anteil am Gelingen der Umsiedlungspläne hatte, das letzte Fest gefeiert.
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1976
Am 11. Juni werden die vier neuen Tennisplätze zum Spielen freigegeben. Im September ist das Clubhaus nebst Wohnung fertiggestellt.
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1981
Im Jahr des 175-Jährigen Bestehens wird mit Blick auf gestiegene Mitgliederzahlen der fünfte Tennisplatz beschlossen und errichtet.
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Zusammengetragen von Uwe Worringer. Wesentliche Informationen stammen aus der Festschrift unter Federfügung von Bernd Janssen zum 175-Jährigen Bestehen des Vereins.